Bewegendes Glaubenszeugnis in der Pfarrkirche St. Laurentius
Mit minutenlanger Stille endete ein Abend, der viele der Besucher in der Pfarrkirche Senden tief erschüttert zurückließ. Unter dem Leitwort „Selig, die Frieden stiften“ sprach Dr. Elke Kleuren-Schryvers aus Kevelaer im Rahmen der „Sonntagsworte“ über ihre Begegnungen mit Menschen, die selbst in Krieg, Terror und Hoffnungslosigkeit nicht aufgehört haben, an Frieden zu glauben.
Im Mittelpunkt standen ihre Begegnungen mit einem Mann, dessen Geschichte man kaum glauben kann: der syrisch-katholische Mönch und heutige Erzbischof von Homs, Jacques Mourad. 2015 wurde er vom sogenannten „Islamischen Staat“ entführt und fünf Monate lang brutal gefangen gehalten. Die Schilderung seiner Freilassung ließ die Zuhörer in Senden aufhorchen. „Das Manna – verstehst du, was das bedeutet?“ – mit diesen Worten hätten IS-Emire ihm damals erklärt, dass die Christen von Al-Qaryatain verschont würden. Nicht wegen einer Gegenleistung. Nicht wegen politischer Verhandlungen. Sondern, weil sie keine Waffen gegen Muslime erhoben hätten. Kleuren-Schryvers zitierte aus Mourads Erinnerungen und beschrieb den Moment als „Sieg der Gewaltlosigkeit über den Hass“. Mourad selbst habe später gesagt: „Was uns das Leben rettete, war, dass wir treu nach dem Evangelium gehandelt haben.“ Immer wieder zog sich durch den Vortrag ein Gedanke wie ein roter Faden: Es gebe mehr als die scheinbaren Alternativen von Gewalt oder Unterwerfung. Inspiriert von einem Gedicht der jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer sprach die Rednerin vom „dritten Weg“ – einem Weg der Friedfertigkeit, der Klarheit und des Mutes.
Dabei blieb der Abend keineswegs theoretisch. Die Ärztin berichtete eindringlich von ihrer langjährigen humanitären Arbeit mit der Stiftung „Aktion pro Humanität“ in Syrien, Niger, Gaza, Benin und auf Lesbos. Besonders bewegend waren ihre Schilderungen aus Homs: Dort versorgt eine mobile medizinische Praxis mit christlich-muslimischem Team inzwischen rund 20.000 Menschen. Dankbar erinnerte sie an die Unterstützung aus Senden – insbesondere an ein Benefizkonzert des Luftwaffenmusikkorps Münster sowie an Pfarrer Oliver Rothe, der die Hilfe für Syrien aktiv begleitet habe.
Doch der Abend war nicht nur Rückblick, sondern auch deutlicher Appell. Mehrfach kritisierte die Rednerin die Sprachlosigkeit Europas angesichts von Krieg und Gewalt. Dabei berief sie sich auf Gespräche mit Erzbischof Mourad, der sie immer wieder frage: „Wo seid ihr mit eurem klaren Bekenntnis zum Frieden?“ Großen Eindruck hinterließen auch ihre Berichte aus dem Sahel. Gemeinsam mit dem Erzbischof von Niamey, Laurent Lompo, plane man ein ungewöhnliches Friedensprojekt: Junge Christen und Muslime sollen gemeinsam Bäume pflanzen und pflegen – als Zeichen gegen Terror, Wüstenbildung und Perspektivlosigkeit. „Vielleicht“, sagte sie, „beginnt Frieden manchmal mit einem kleinen Baum.“
Immer wieder verband die Niederrheinerin politische Realität mit spiritueller Tiefe. Sie sprach über traumatisierte Kinder in Gaza, über Flüchtlinge auf Lesbos, über das Kreuz von Lampedusa, gefertigt aus Holz gekenterter Flüchtlingsboote. Und sie erinnerte an die Worte des Schreiners Francesco Tuccio: „Das Einzige, was das Leid der Flüchtenden bergen kann, ist das Kreuz.“
Immer wieder wurde deutlich: Für Elke Kleuren-Schryvers ist christlicher Glaube kein Rückzug ins Private. Vielmehr bedeute er konkretes Handeln – in Krankenhäusern, Flüchtlingslagern und Krisengebieten. Oder, wie sie es mit Worten des niederrheinischen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch formulierte: Christen müssten „ungebrochen freundlich und heiter“ bleiben, weil „die Zukunft Jesus heiße“. Am Ende stand kein einfacher Optimismus. Eher eine Hoffnung, die sich nicht vom Elend der Welt überwältigen lassen will.
Mit einem Segenswort von Hüsch schloss der Abend in St. Laurentius – und mit einem Satz, der wohl vielen noch lange nachgehen dürfte: „Friede sei mit euch – fürchtet euch nicht.“

