Diakonenweihe von unserem Pastoralreferenten Martin Malaschinsky

Herr Malaschinsky, Sie sind seit vielen Jahren als Pastoralreferent in unserer Pfarrei tätig. Jetzt werden Sie am 22. November 2020 im Paulusdom zu Münster zum Ständigen Diakon geweiht. Was genau ist ein Diakon?

Zunächst einmal freue ich mich darauf, nach vier Jahren der Vorbereitung im Diakonatskreis nun in wenigen Tagen von unserem Bischof zusammen mit sechs weiteren Weihekandidaten unseres Bistums zum Diakon geweiht zu werden. So ist das zumindest vorbehaltlich der Entwicklung in der Corona-Pandemie gegenwärtig geplant.

Zur Frage: Der Diakon bekleidet ein geistliches Amt innerhalb der Kirche. Schon die ganz frühe Kirche der neutestamentlichen Zeit hat ein eigenes Amt eingeführt für den Dienst der Nächstenliebe und der Verkündigung an den Tischen der Witwen und Waisen, wie es in der Apostelgeschichte heißt, also beispielhaft derjenigen, die gesellschaftlich an den Rand geraten waren. Das bedeutet, dass dieses Amt vom Ursprung her ausgerichtet ist auf den geschwisterlichen Dienst an den Nächsten, Notleidenden und Ratsuchenden, oder auch an Orientierung und Halt suchenden Menschen überhaupt. Der Diakon ist somit in erster Linie ein Anwalt derjenigen, denen es wie auch immer an menschenwürdigen Lebensumständen fehlt, materiell wie ideell, so könnte man sagen. Das ist zunächst einmal der Schwerpunkt dieses Dienstes. Unverzichtbar dabei ist, dass das soziale Handeln eines Diakons zugleich ein geistlicher Dienst ist innerhalb der Grundvollzüge der Kirche, der Liturgia, der Martyria und eben der Diakonia, die wir auch Caritas nennen können. Der Kirche war es von Anfang an wichtig, in der dienenden Liebe Jesu Christi zu den Menschen zu bleiben, und hat für eben diese Diakonia ein eigenes Amt geschaffen, den Diakonat, um mit ihm der Verkündigung, der Liturgie und besonders der Caritas ein diakonales Gesicht zu geben.

Und welche pastoralen Aufgaben übernimmt ein Diakon? Welche Sie?

Das hängt immer sehr von der einzelnen Situation des Einsatzortes sowie auch der Aufgabenverteilung innerhalb eines Pastoral- oder Leitungsteams ab. Der Diakon in der Pfarrseelorge, der seinen Dienst im Hauptberuf ausübt – wie es bei mir der Fall sein wird – wird neben dem Einsatz in spezifisch caritativen Arbeitsfeldern immer auch in der Katechese und in der Liturgie mitwirken. So werde ich also zunächst die Aufgaben, die ich jetzt im Moment neben der Begleitung der Gemeindecaritas und in den allgemein seelsorglichen Diensten als Pastoralreferent übernehme, in wesentlichen Teilen erst einmal weiterführen: das sind z.B. die Begleitung der Erstkommunionvorbereitung in Senden, die Mitarbeit in der Kindergartenpastoral, die Begleitung des Gemeindeausschusses in Bösensell, Bereiche wie Eine-Welt-Arbeit oder auch Familienpastoral sowie auch die Präventionsarbeit. Auch der Begräbnisdienst gehört dazu, der mit meinem Stellenwechsel vor fast zehn Jahren hierher nach Senden damals für mich neu hinzugekommen war, und der ja auch im Rahmen von Trauerpastoral ein ausdrücklich diakonischer Dienst ist: Trauernde trösten und Tote begraben.

Neu sein wird für mich als künftiger Diakon die Leitung von Tauffeiern und die Spendung des Taufsakramentes, worauf ich mich auch freue. Auch die Leitung von Traugottesdiensten und die Eheassistenz kann dann zu meinen Aufgaben gehören – ganz so viele heiraten ja heute nicht mehr kirchlich, mal sehen wie sich das gesellschaftlich so entwickelt mit den Eheschließungen und auch der Vielfalt der alternativen Lebens- und Partnerschaftsformen.

Um in der Gemeinde Not und Elend bewusst zu machen und den Blick dafür zu stärken, hat ein Diakon auch die Aufgabe, dies in die Liturgie hineinzutragen, dort einzutreten für das, wofür die Kirche Jesu Christi da ist. Biblisch kommt dies ja im Johannesevangelium sehr deutlich in der Fußwaschung beim letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern zum Ausdruck. So werde ich also auch ab und zu in der Eucharistiefeier das Evangelium verkünden und dann und wann auch predigen und – wenn es dann nach Corona wieder einmal geht – die Assistenz am Altar wahrnehmen.

Sie haben vorhin vom Diakon im Hauptberuf gesprochen. Es gibt außerdem auch noch Diakone mit Zivilberuf. Manche sind verheiratet und haben Familie, einige aber auch wieder nicht. Wieder andere – heutzutage nur noch ganz wenige – werden später Priester. Alles etwas verwirrend. Können Sie da etwas Licht ins Dunkel bringen?

Nicht ganz einfach, ich will es versuchen: Lange Zeit v.a. in der neueren Kirchengeschichte galt die Weihe zum Diakon als Durchgangsamt zum Priestertum, gewissermaßen als Vorstufe hin zum eigentlich Wichtigem ohne wirkliche Relevanz für die Kirche. Nach der Blütezeit des Diakonates in den ersten Jahrhunderten der Geschichte der Kirche blieb das Diakonenamt lange Zeit fast ohne eigenständige Funktion, und eine theologische Ortsbestimmung fehlte gänzlich. Zwar hatte das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert die Frage nach der Wiederherstellung des Ständigen Diakonates positiv beantwortet. 

Wirklich Bewegung kam aber erst ins Spiel mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Mit ihm wurde das Ständige Diakonat als eigenständiges Amt innerhalb des dreigliedrigen Weihesakramentes – Episkopat, Presbyterat und Diakonat – wieder eingeführt, um den dienenden Auftrag der Kirche zu betonen, aber auch, um den wachsenden pastoralen und sozialen Aufgaben der Kirche gerecht zu werden. Und mit dem II. Vatikanum können auch verheiratete Männer dieses geistliche Amt ausüben. Seitdem haben sich so genannte in Beruf und Familie bewährte Männer dazu rufen lassen, in der Nachfolge Jesu für den diakonischen Grundauftrag der Kirche verbindlich einzustehen: Ständige Diakone mit Zivilberuf oder besser eigentlich Diakone im Zivilberuf. Daneben gibt es einige, die Diakone im Hauptberuf sind, für die in unserem Bistum die Ausbildung zum Pastoralreferenten Voraussetzung ist. 

Für alle aber gleich ist: Sie gehören einerseits zum Ordo durch die Weihe, sehen sich aber andererseits durch Ehe und Familie – sofern sie verheiratet sind – und durch den beruflichen wie auch privaten Alltag herausgefordert, sich den Anforderungen und Sorgen des Lebens als Geistliche zu stellen und hier eine Brückenfunktion innezuhaben. Durch diese besondere Position können sie mithelfen, erstarrte Grenzen oder wechselseitiges Unverständnis zu überwinden und einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer auf die Welt und den Nächsten hin offenen Kirche zu leisten.

Die Sorgen und Anforderungen sind ja gegenwärtig stark bestimmt durch die Corona-Pandemie.

Ja, das ist eine wirklich bedrohliche Veränderung unseres Lebens, die ich mit großer Sorge und gewiss auch mit Angst betrachte. In der öffentlichen Diskussion darüber gefällt mir das Begriffspaar von Freiheit und Verantwortung. Freiheit hat ja nichts mit Beliebigkeit oder grenzenloser Individualisierung zu tun. Sie braucht vielmehr Grenzen, damit es sie überhaupt geben kann, sie braucht die Übernahme von Verantwortung durch einen jeden Einzelnen, Verantwortung für die Unversehrtheit des eigenen Lebens und dem der anderen.

Nur mit Besonnenheit, Sachverstand und optimistischer Zuversicht lassen sich die weiteren Schritte ausmachen, mit denen wir der Pandemie begegnen können. Politischen Hasadeuren und kruden Verschwörungstheoretikern jedenfalls muss aus meiner Sicht unbedingt der Wind aus den Segeln genommen werden.

Ich glaube aber auch, dass in dieser ernsten Situation zumindest auch Chancen stecken: z.B. die Wiederentdeckung des Wertes der Solidarität, die uns in Kirche und Gesellschaft stärken und einen könnte.