Geschichte der Kirche und des Ortsteils Venne

Im 13. Jahrhundert kehrten die Kreuzfahrer mit ansteckenden Krankheiten und Seuchen (v.a. Lepra) aus den fremden Ländern zurück. Aus Angst vor Ansteckungsgefahr wurden sie oft aus den Städten ausgeschlossen und mussten den Rest ihres Lebens in "Isolierstationen" außerhalb der Städte verbringen. Darum forderte das Laterankonzil im Jahre 1179 die Errichtung von Häusern, in denen sie ein würdiges Zuhause finden konnten mit einer eigenen Kirche oder Kapelle.

Wikbold v. Holte, ein Bruder des Bischofs Ludolf (1226-1248) schenkte 1242 dem Magdalenenhospital in Münster einen Hof in der Bauerschaft Westendorpe im Kirchspiel Amelsbüren. Auf diesem Hof erreichtet der Magistrat ein Hospital zum Heiligen Johannes dem Täufer "in loco, qui dicitur Vene" (an dem Ort, den man Venne nennt) – so die erste urkundliche Erwähnung der Venne. "Venne" bedeutet "Moor".

Im Jahre 1249 wurden dem Hospital St. Johannes Baptist in der Venne das Recht verliehen, die Angehörigen des Hospitals dort zu taufen und zu beerdigen. Am 7.August 1250 übergab das Münsteraner Domkapitel dem Hospital ein Grundstück, um dort Gottesdienste abzuhalten. Seit 1290 ist Venne als Pfarrei urkundlich bezeugt. Seit ihrer Gründung ist sie mit 130 Mitgliedern die kleinste Pfarrei des Bistums Münster.

Architektur

Ab 1822 plante man eine Verschönerung der Kirche, die bis dahin ein dunkler und feuchter Raum gewesen sein muss. Bereits 1825 wurden die Fenster vergrößert und mit Maßwerk und französischem Buntglas versehen. Dargestellt sind die acht Seligpreisungen der Bergpredigt (Evangelium nach Matthäus 5, 1-12). Sie stehen als Verheißung und zugleich Ermahnung an die sich zwischen diesen Fenstern versammelnde Gemeinde.  Der bezaubernde neugotische Chor mit einem schlichten Netzgewölbe entstand 1885. Der Architekt war Wilhelm Rinklake. Hierzu mußte die bis dahin glatte Ostwand durchbrochen werden, an der der Altar gestanden hatte.

Chorfenster

Die drei einbahnigen Chorfenster zeigen das Leben und die Vollendung des heiligen Johannes des Täufers. Das wohl bedeutendste Ausstattungsstück unserer Kirche ist das gotische Sakramentshäuschen, das sich ursprünglich an der Nordwand befand. 

Seine Figuren sind kreuzförmig um das Tabernakel selbst angeordnet. Der Längsbalken dieses Kreuzes hat das Erlöserleiden Christi zum Thema: Es zeigt über dem Tabernakel den Pelikan, der nach der antiken Legende seine Jungen mit seinem eigenen Blut nährt (ein Bild für den sich durch Leiden verschenkenden Erlöser), darunter Jesus als Schmerzensmann mit den Passionswerkzeugen (also das Bild dessen, auf den der Pelikan hinweist und der im Brot des Altares wirklich im Tabernakel gegenwärtig ist). Unter dem Tabernakel sieht man den Pfarrpatron Johannes den Täufer, der auf ein Lamm weist, das er auf dem Arm trägt–Hinweis auf die Begebenheit am Jordan, als Christus unter die Zuhörer des Johannes tritt und von diesem bezeichnet wird als das “Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.” Hier bezieht sich dieses Wort auch auf den sakramental gegenwärtigen Herrn.

Der Querbalken des Figurenkreuzes spricht die Menschwerdung Gottes an: Links und rechts vom Tabernakel sieht man die Gottesmutter Maria mit dem Erzengel Gabriel, der ihr verkündet, daß sie Gottes Sohn empfangen und gebären soll. Im dargestellten Augenblick des “Ja” Mariens ist das “Wort Fleisch geworden”, eben jenes Wort des Vaters, Christus selber, der hinter dieser Tür in Brotsgestalt gegenwärtig ist und bei der Kommunion der Gläubigen in diesen erneut aufgenommen, also “Fleisch werden” will.